Theater „KRASS“


Am 17. April 2018 war die Theatergruppe KRASS aus Augsburg zu Gast an unserer Schule, um das Stück „Krass – Hauptsache radikal“ in der Turnhalle den Klassen 8, M8 und 9 sowie drei Klassen der Kaminkehrer-Berufsschule aus Mühlbach zum Besten zu geben. Nur drei Schauspieler schlüpften mit minimalen Requisiten (schwarze Halstücher, Turnkasten und Ball) in die Rollen von Jugendlichen im Alter von 16 bis 17 Jahren, die sich auf verschiedene Weise radikalisierten.

Ahmeds geplatzte Heirat bringt ihn in Kontakt zu Salafisten, die ihn durch das Versprechen ins Paradies zu kommen, in den Dschihad locken. Sarah zieht es ebenfalls in den „heiligen Krieg“, weil sie nach einem Alkoholexzess und drei Tagen Koma an die Rettung durch Allah glaubt und sich dankbar zeigen will.

Selim war ein Jugendlicher aus Syrien, der aus seinem Heimatland flieht, weil er nicht weiß, welche Kriegspartei er unterstützen soll und er nicht kämpfen will. Er sucht das Paradies in der Flucht nach Deutschland. Ironischer Weise treffen sich Ahmed und Selim an der türkisch-syrischen Grenze und beschimpfen sich gegenseitig als „Idiot“, weil sie ihr Heil im jeweils anderen Land suchen. Erst später werden beiden die Augen geöffnet. Ahmed entlarvt die leeren Versprechungen und kehrt reuig nach Deutschland zurück. Dort muss er ins Gefängnis, weil er sich der Terrororganisation „Islamischer Staat“ angeschlossen hatte. Selim wird, kaum drei Tage in Deutschland angekommen, von radikalen Ausländerfeinden zu Tode geprügelt.

Klaudia ist die wohl erzogene Tochter reicher und angesehener Eltern, die aber zu wenig Aufmerksamkeit bekommt. Sie schließt sich genauso wie Marco einer rechtsradikalen Kameradschaft an, die „endlich was macht, statt nur zu reden“. Der Dritte im Bunde ist Kaya, „Killer-Kai“ genannt, ein türkischer Deutscher, der nicht weiß, wohin er gehört, weil er in keinem Land voll akzeptiert ist. Er wird Anhänger der Kameradschaft wegen des Zusammengehörigkeitsgefühls, sie überfallen gemeinsam ein Asylanten-Wohnheim. Am Ende sitzt Kaya wie die anderen im Gefängnis, weil er zu viel Gewalt ausgeübt hat.

Beim anschließenden Gruppengespräch in der 9. Klasse kam heraus: „Oft kennt man die Geschichte von Menschen gar nicht, die Verhältnisse, in denen jemand lebt", und vorschnelle Urteile verhindern, dass man Kontakt aufnimmt. Außerdem stellten die Schülerinnen und Schüler in der Diskussionsrunde fest, dass „man selbst oft solche Gedanken hat, die die Schauspieler offen ausgesprochen haben“. Die Frage des Sozialpädagogen „Was kann man dagegen tun?“ erzeugte zunächst  Schweigen, mündete dann aber in eine intensive Aufarbeitung der Ursachenverflechtungen. Mit einem Standbild sollten die Neuntklässler dann eine der Figuren des Schauspiels darstellen und Gedanken dazu äußern. Dies sorgte am Ende für sehr viel Verständnis und Ein-fühlungsvermögen in die dargestellten Charaktere.                                                                                                            (Alexander Pöppl)